„Verkaufst du eigentlich Tipps?“ Das werde ich ein paar Mal pro Monat gefragt. Die kurze Antwort: nicht gegen eine monatliche Gebühr. Von Anfang 2016 bis 2022 habe ich das gemacht. Ich habe aufgehört, obwohl es funktioniert hat.
Der zweite Teil ist wichtig. Deshalb fange ich damit an. Es lief gutDie Preise lagen am Anfang bei 39 Euro im Monat, später teilweise bei 149. Die stärkste Phase war 2019: rund 500 zahlende Kunden, je nach Paket 54 oder 99 Euro im Monat. Mein Yield lag bei 10 bis 15 Prozent.
Teilweise habe ich damit 30.000 Euro im Monat verdient. Davon ging ein Teil an meinen damaligen Partner, dazu kamen Betriebskosten und Steuern.
Wichtiger ist aber etwas anderes: Etwa 95 Prozent waren Stammkunden, die über Jahre geblieben sind. Niemand zahlt drei Jahre lang 99 Euro im Monat für Einschätzungen, die nicht aufgehen. Die Ergebnisse waren da. Davon relativiere ich keinen Satz.
Ich schreibe das nicht, um mich zu verteidigen. Aber ohne diesen Teil klingt der Rest wie eine Ausrede.
Warum ich es überhaupt gemacht habeEs war der einzige Hebel, den ich damals hatte.
Ich habe vor allem kleine Fußballligen gewettet. Da liegt der Edge, und da liegt das Problem. Du kannst nicht beliebig viel unterbringen. Bei manchen Spielen bewegst du die Quote mit 500 bis 1.000 Euro, heute teilweise mit weniger.
Rechne es einmal durch. Nimm die 30.000 Euro, die über die Abos kamen. Wenn ich die allein mit Wetten verdienen wollte, bräuchte ich bei 10 bis 15 Prozent Yield zwischen 200.000 und 300.000 Euro Wettumsatz. Jeden Monat. In Märkten, in denen große Einsätze gar nicht durchgehen.
Das geht nicht. Nicht mit mehr Disziplin und nicht mit mehr Arbeit. Dazu war mein Netzwerk damals klein. Ich hatte also einfach zu wenig Möglichkeiten.
2016 hatte ich zwei Optionen: eine kleine Bankroll langsam wachsen lassen, oder die Tipps verkaufen. Ich habe verkauft. Unter denselben Bedingungen würde ich es wieder tun.
Warum der reine Tippverkauf eine Obergrenze hatAngenommen, ich finde eine Wette zu 2,20, faire Quote 1,95. Solide Sache. Dann geht sie an 500 Leute, und ein Teil spielt sie sofort.
Die ersten bekommen 2,20. Dann fällt die Quote. Die nächsten bekommen 2,10, usw. Wer eine Stunde später zum Handy greift, spielt vielleicht nur noch eine 1,90. Er wettet auf dieselbe Einschätzung, nur ohne den Value.
Je mehr Leute das Produkt kaufen, desto schlechter wird es. Wie viele Kunden eine Wette verträgt, kann dir vorher niemand sagen. Manchmal sind es fünfzig, manchmal zehn. Das hängt davon ab, welcher Buchmacher gerade wie viel annimmt, wer sonst noch auf dieselbe Wette schaut und wie schnell der Markt reagiert. Sicher ist nur: die Zahl ist endlich, sie ist meistens kleiner als die Kundenliste — und sie wird nicht größer, weil du mehr Abos verkaufst. Wo die Grenze liegt, entscheidet der Markt. Nicht das Marketing.
Ich habe gestaffelt und irgendwann die Kundenzahl gedeckelt, statt weiter zu wachsen. Gelöst habe ich es damit nicht. Es ist nicht lösbar.
Tippverkauf löst das Skalierungsproblem also nicht. Er verschiebt es nur. Vorher war das Wettlimit zu klein, danach ist es die Kundenzahl.
Wer über Jahre gute Tipps hat, stößt irgendwann an dieselbe Grenze wie ich. Und sucht sich dann einen anderen Weg.
Woran du ein Angebot erkennst, das diese Rechnung nicht machtSchau dir an, wie Ergebnisse in dieser Szene gezeigt werden. Screenshots einzelner Wetten statt einer langfristigen Kurve. Trefferquoten ohne Durchschnittsquote. „+42 Einheiten“, ohne den Zeitraum, in dem 30 Einheiten im Minus lagen. Und fast nie eine Angabe, zu welcher Quote die Wette noch spielbar war, als die Nachricht bei Kunde Nummer 300 ankam. Das ist mit das Wichtigste, denn wir setzen nicht auf Spielausgänge, sondern auf Quoten, auf Wahrscheinlichkeiten.
Das ist alles kein Zufall. So muss es aussehen, damit ein Abo sich verkauft. Denn ein Abo wird gekündigt, wenn zwei schlechte Wochen kommen. Zwei schlechte Wochen sind bei jedem profitablen Ansatz normal. Wer die ganze Kurve zeigt, zeigt auch die nicht so tollen Monate — und genau die kosten Abonnenten.
Dazu kommt: Der Anbieter verdient am Monatsanfang. Ob die Tipps danach aufgehen, ändert daran nichts.
Und wer vierstellige Abonnentenzahlen bewirbt und gleichzeitig von Value in kleinen Märkten spricht, verkauft entweder etwas, das er nicht versteht — oder etwas, das für die meisten seiner Kunden nicht mehr existiert.
Warum ich den Schlussstrich gezogen habeEs waren mehrere Gründe. Nicht alle gehören in einen Newsletter.
Der wichtigste: Ich habe einen Weg gefunden, der für mich besser funktioniert. Dazu die Arbeit an Werkzeugen, mit denen man die eigenen Entscheidungen bewertet, statt fremde Tipps zu kaufen.
Mir ist klar, dass der Text ein paar Leuten in der Szene nicht gefallen wird. Das ist in Ordnung. Ich verkaufe keine Abos, also kostet es mich nichts, das aufzuschreiben. Genau das ist der Punkt.
Wie es heute läuftIch verkaufe keine Abos mehr. Was wir stattdessen machen, läuft seit rund zwei Jahren: eine feste Gruppe, bei der nicht schon am Monatsanfang feststeht, wer verdient. Es läuft so ab, dass ich nur verdiene, wenn auch du verdienst. Und wenn wir verlieren, dann verliere nur ich. Du nicht.
Die Programm ist aktuell geschlossen. Demnächst nehmen wir aber wieder ein paar Leute dazu.
Wenn du dabei sein willst, setz dich auf die Warteliste. Versprechen gibt es dort keine. Varianz gilt für jedes Modell, Minus-Monate gehören dazu. Aber ich muss in schlechten Wochen niemandem mehr erklären, warum ich sein Geld trotzdem behalte.