letzte Woche ging es um die Einsatzhöhe — 1% der Bankroll, bei richtig gutem Value auch mal 2 bis 3%. Darauf kam prompt die Frage: und wie groß muss die Bankroll dann überhaupt sein?
Die meisten rechnen das von der falschen Seite her. Sie überlegen, wie viel sie übrig haben, zahlen das ein und setzen dann irgendeinen Betrag, der sich richtig anfühlt. Dabei ist es genau andersrum.
Die Bankroll bestimmt sich nicht danach, was du einzahlen kannst, sondern danach, was du aushalten musst.
Und das ist deutlich mehr, als die meisten denken. Pechsträhnen sind schlimmer, als du erwartest. Ich hab das mal durchsimuliert, mit einem soliden Edge von 5% und meiner Durchschnittsquote von 1,86. Also jemand, der wirklich gut wettet und langfristig klar profitabel ist.
Über 400 Wetten liegt der schlimmste Einbruch im Normalfall bei rund 15 Einheiten. In einem von vier Fällen sind es 19, und in einem von zwanzig Fällen 28.
Über 1.200 Wetten: 21 Einheiten im Normalfall, im schlechten Viertel 27, im Extremfall 38.
Über 5.000 Wetten — also das, was man in zwei, drei Jahren zusammenbekommt — liegt der typische schlimmste Einbruch schon bei 32 Einheiten. Und im Extremfall über 50.
Nochmal: das ist jemand, der gewinnt. Das sind keine Horrorszenarien für schlechte Wetter, sondern der ganz normale Weg nach oben.
Bei mir sah das zuletzt so aus. Im August hatte ich einen Drawdown von 7.794 Euro bei einem Durchschnittseinsatz von 447 Euro. Das sind 17 Einheiten. Wobei ich hier fairerweise sagen muss, dass ich mehrere Wetten auf das gleiche Spiel habe und mein eigentlicher Einsatz pro Wette deutlich höher liegt als 447 Euro.
Im September waren es 13.958 Euro bei 640 Euro Schnitt — also knapp 22 Einheiten.
Zwei Monate, zwei Einbrüche von 17 und 22 Einheiten. Beide liegen exakt in dem Bereich, den die Simulation vorhersagt. Nichts Ungewöhnliches, nichts Dramatisches. Einfach das, was passiert.
Jetzt rechne das mal gegen deinen Einsatz. Sagen wir, du musst irgendwann 30 Einheiten überstehen. Das ist kein Extremfall, das ist über ein paar Jahre eher der Normalfall.
Bei 1% Einsatz kostet dich das 30% deiner Bankroll. Unangenehm, aber du bist noch im Spiel.
Bei 2% sind es 60%. Du hast dann noch gut ein Drittel übrig und musst erstmal wieder hochklettern.
Bei 5% bist du pleite, lange bevor die Strähne vorbei ist. Bei 10% sowieso. Und das Entscheidende: dein Vorsprung spielt dabei keine Rolle mehr. Wenn das Geld weg ist, ist es weg. Der beste Edge der Welt nützt dir nichts, wenn du den Weg dorthin nicht überlebst.
Deshalb die unbequeme Antwort. Wenn du mit 100 Euro pro Wette spielen willst, brauchst du bei 1% eine Bankroll von 10.000 Euro. Für 50 Euro pro Wette sind es 5.000. Für 25 Euro immer noch 2.500.
Die meisten haben das umgekehrt im Kopf. Sie zahlen 500 Euro ein und setzen 50 pro Wette, weil sich das nach einer vernünftigen Summe anfühlt. Das sind 10% pro Wette. Damit bist du bei der ersten normalen Pechsträhne weg, egal wie gut deine Wetten waren.
Und jetzt der wichtige Teil: Die Lösung ist nicht, mehr einzuzahlen. Die Lösung ist, kleiner zu setzen. Wenn du 500 Euro übrig hast, dann sind das 5 Euro pro Wette. Klingt nach wenig, ist es auch. Aber es ist die einzige Variante, bei der du lange genug dabei bleibst, um überhaupt herauszufinden, ob du einen Vorsprung hast.
Wer die Bankroll aufstockt, um größer setzen zu können, hat die Rechnung nicht verstanden — und riskiert Geld, das er nicht riskieren sollte.
Was ich dir mitgeben will. Leg die Bankroll fest, bevor du die erste Wette machst. Nimm einen Betrag, dessen Verlust dich nicht trifft. Nicht "wäre ärgerlich", sondern wirklich nicht trifft.
Davon dann 1% pro Wette. Und dann halt dich dran, auch wenn es mal richtig schlecht läuft. Gerade dann.
Mehr ist es nicht. Keine Formel, kein System. Nur eine Zahl, die vorher feststeht, und die Disziplin, sie nicht anzufassen.
Nächste Woche kommt die September-Auswertung. Komme leider erst die Tage dazu, den Monat auszuwerten. Aber so viel vorab: wenn du dich erinnerst, die Basketball-Sache aus dem August hat sich erledigt. Im positiven Sinn.