Newsletter

Value gewinnt keine Wetten

27. September 2026

​​ letzte Woche ging es darum, wie du ausrechnest, ob eine Quote wirklich Value hatte. Heute kommt die andere Hälfte: wie viel du draufsetzt. Daran scheitern ehrlich gesagt mehr Leute als an der Quotensuche.

Meine Grundregel: 1% der Bankroll pro Wette. Nicht 1% von dem Geld, das gerade auf dem Wettkonto liegt. Sondern 1% von dem Betrag, den du insgesamt fürs Wetten vorgesehen hast. Das ist ein Unterschied, den viele durcheinanderbringen. Bei 10.000 Euro Bankroll sind das 100 Euro pro Wette. Immer. Egal wie sicher sich was anfühlt.

Ganz starr ist es aber nicht. Wenn ich eine Quote von 2,50 bekomme, die für mich eigentlich fair bei 1,30 liegen müsste, dann ist das kein normaler Value mehr. Sowas findet man selten. Da gehe ich auch mal auf 2 bis 3%. Der Normalfall sieht anders aus: meistens liegen die Value-Wetten grob im gleichen Bereich, ein paar Prozent Vorsprung. Dann bleibe ich bei 1 bis 1,5%. Über 3% gehe ich so gut wie nie.

Value gewinnt keine Wetten. Zumindest nicht kurzfristig. Value sagt dir nur, dass du langfristig vorne liegst, wenn du das oft genug machst. Über die einzelne Wette sagt es dir gar nichts. Eine Wette mit riesigem Value kann verlieren. Und die davor auch. Und die danach.

Bei mir im August waren zwölf Verluste in Folge dabei. Zwölf. Bei 1% Einsatz sind das 12% der Bankroll — unangenehm, aber man steht wieder auf. Bei 3% wären es 36% gewesen. Dann sitzt du mit einem Drittel weniger Kapital da und musst erstmal wieder hochklettern, bevor du überhaupt an Gewinn denken kannst. Am Ende des Monats hatte ich dennoch einen Gewinn.

Zwei Wetten aus dieser Woche, die das ganz gut zeigen. Letzte Woche hatte ich dir von Trier erzählt. Handicap −4,5 gespielt, bei Spielstart stand die Linie bei −9,5. Fünf Punkte Bewegung, also richtig fetter Closing Line Value. Braunschweig hat dann alles getroffen und mit 116:107 gewonnen. Wette weg.

Dann diese Woche Bamberg gegen Rasta Vechta. Ich hatte Bamberg mit +7,5 gespielt, bei Spielstart war die Linie bei +5,5. Zwei Punkte Bewegung — ordentlich, aber nichts Spektakuläres. Für mich persönlich war das Spiel allerdings deutlich näher an ausgeglichen, ich hätte die Linie noch viel tiefer gesehen. Ausgegangen ist es 108:67 für Bamberg. Einundvierzig Punkte.

Jetzt vergleich das mal: Bei Trier hatte ich den deutlich besseren gemessenen Value und stand am Ende ohne alles da. Bei Bamberg war der Value moderater und es wurde eine Abreibung. Hätte ich bei Bamberg mehr setzen sollen? Nach dem Ergebnis würde man das sagen. Vor dem Spiel war das eine ganz normale Wette mit ordentlichem, nicht überragendem Value. Also normaler Einsatz — und genau so mache ich es beim nächsten Mal wieder.

Warum ich nicht stärker mit dem Value skaliere. Es gibt mathematische Formeln, die dir sagen, wie viel du bei welchem Vorsprung setzen solltest. Bei meinem Beispiel von oben — 2,50 bekommen, fair wäre 1,30 — würde so eine z.B. Formel ausspucken: setz 60% deiner Bankroll. Sechzig Prozent. Auf eine Wette.

Ich spiele stattdessen 2 bis 3%. Also ungefähr ein Fünfundzwanzigstel von dem, was die Mathematik sagt.

Diese Formeln setzen voraus, dass du die wahre Wahrscheinlichkeit kennst. Tust du aber nicht. Du hast eine Schätzung, eine gut begründete vielleicht, aber eben eine Schätzung. Und wenn du dich dabei irrst, bestraft dich ein großer Einsatz gnadenlos. Und selbst wenn das die faire Wahrscheinlichkeit ist, wie gesagt: JEDE Wette kann verlieren.

Ehrlich gesagt: wenn ich irgendwo 2,50 sehe und meine, fair wären 1,30 — dann ist der erste Gedanke nicht "jackpot". Der erste Gedanke ist: hab ich mich verrechnet? Ist da eine Info drin, die ich nicht habe? Verletzung, Aufstellung, irgendwas? Meistens findet man nichts und spielt es. Aber die Frage muss man sich stellen.

Der eigentliche Test kommt, wenn es schlecht läuft. Nach acht Verlusten in Folge will man den Einsatz erhöhen, um schneller wieder rauszukommen. Und nach einer guten Woche fühlt man sich unbesiegbar und verdoppelt dann auch. Beides ist derselbe Fehler. Und beides passiert dir nicht, wenn du vorher eine Zahl festgelegt hast.

Du brauchst dafür keine komplizierte Formel. Du brauchst eine Regel, an die du dich hältst. Das ist auch ein Grund warum ich ausnahmslos alle meiner Wetten tracke.

Apropos: die Sharpd-Beta läuft weiter, und ich nehme nach und nach mehr Leute dazu. Wer auf die Warteliste will, trägt sich hier ein.

Nächste Woche geht es um die Frage, die eigentlich vor allem anderen kommt: wie groß muss die Bankroll überhaupt sein, damit das Ganze funktioniert? Die Antwort überrascht die meisten.

Jeden Sonntag

Direkt ins Postfach.

Kostenlos · Kein Spam · Kündbar mit einem Klick

Jetzt abonnieren