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Wie du die faire Schlussquote ausrechnest

20. September 2026

​​ Gestern Abend, Basketball-Bundesliga. Gladiators Trier gegen Braunschweig. Ich hatte Trier mit Handicap −4,5 gespielt. Als das Spiel anfing, stand die Linie bei −9,5.

Fünf Punkte. Der Markt hat Trier am Ende also fünf Punkte stärker gesehen als zu dem Zeitpunkt, wo ich eingestiegen bin. Im Basketball ist das eine Menge.

Braunschweig hat dann getroffen wie im Rausch und mit 116:107 gewonnen. Wette weg. Und trotzdem würde ich sie morgen genauso wieder spielen. Darum geht es bei mir eigentlich immer. Wie ein Spiel ausgeht, weiß ich nicht. Weiß auch sonst keiner. Was ich beeinflussen kann, ist die Quote, zu der ich reingehe.

Ich wusste gestern nicht, ob Trier gewinnt. Ich weiß es nie. Aber ich hatte eine Linie, die der Markt später anders bewertet hat als in dem Moment, wo ich zugegriffen habe.

Bei einer einzelnen Wette sagt das gar nichts. Bei tausend sagt es ziemlich viel.

Bleibt die Frage, woher man das überhaupt weiß. Ich hab hier in den letzten Wochen ein paar Mal von der "fairen Schlussquote" geschrieben und nie erklärt, wie man da hinkommt. Machen wir heute.

Der Punkt ist nämlich: die Schlussquote, die du beim Buchmacher siehst, ist nicht der faire Wert. Da steckt noch die Marge drin. Wer seinen CLV einfach gegen die Buchmacherquote rechnet, kommt jedes Mal auf zu gute Zahlen.

Wie du die Marge rausrechnestNehmen wir einen einfachen Markt mit zwei Ausgängen. Der Buchmacher bietet 1,80 auf die eine Seite, 2,00 auf die andere.

Schritt eins: Quoten in Wahrscheinlichkeiten umrechnen. Einfach eins geteilt durch die Quote.

1 ÷ 1,80 = 55,56% 1 ÷ 2,00 = 50,00% Schritt zwei: zusammenrechnen. 55,56% + 50,00% = 105,56% Und da siehst du schon das Problem. Zusammen kommen die beiden Ausgänge auf mehr als 100%. Diese 5,56 Prozentpunkte zu viel sind die Marge vom Buchmacher.

Schritt drei: beide Werte durch die Summe teilen, damit sie zusammen wieder 100% ergeben.

55,56 ÷ 105,56 = 52,63% 50,00 ÷ 105,56 = 47,37% Schritt vier: zurück in Quoten. 1 ÷ 0,5263 = 1,90 1 ÷ 0,4737 = 2,11 Fertig. Die fairen Quoten sind 1,90 und 2,11, nicht 1,80 und 2,00. Warum das wirklich was ausmachtIch hatte euch mal von der Duisburg-Wette (gegen Verl) erzählt. Gespielt zu 2,10, Schlussquote beim Buchmacher 1,61.

Wenn ich einfach 2,10 gegen 1,61 rechne, komme ich auf 30,4% CLV. Sieht super aus.

Die faire Schlussquote liegt bei der Marge aber bei 1,66. Und damit sind es in Wirklichkeit 26,5%.

Knapp vier Prozentpunkte weniger. Bei einer Wette ist das egal. Aber du machst diesen Fehler ja bei jeder einzelnen, und immer in dieselbe Richtung. Am Ende der Saison steht dann eine Zahl da, die durchgehend zu schön ist — und du triffst deine Entscheidungen auf der Basis.

Worauf du achten musstZwei Sachen gehen dabei gerne schief. Das eine ist die Frage, bei welchem Anbieter du überhaupt schaust. Es bringt dir wenig, die Marge bei einem Buchmacher rauszurechnen, dessen Quoten sowieso nicht besonders gut sind. Da ist hinterher zwar die Marge weg, aber die Quote war trotzdem daneben. Nimm einen Anbieter, der für scharfe Linien bekannt ist und bei dem auch die Profis unterwegs sind.

Das andere ist die Rechenmethode. Die Variante von oben verteilt die Marge gleichmäßig auf beide Seiten. Das ist die einfachste, und im normalen Quotenbereich passt sie auch. Bei richtig krassen Quoten wird sie aber ungenau — also wenn du irgendwo eine 1,10 gegen eine 8,00 hast. Buchmacher packen ihre Marge nämlich nicht gleichmäßig drauf, sondern hauen mehr auf den Außenseiter. Es gibt Verfahren, die das berücksichtigen, aber fang erstmal mit der einfachen an. Die bringt dich zu 90% dahin, wo du hinwillst.

Nochmal kurz zu TrierBei Handicap-Wetten läuft es ein bisschen anders, weil sich ja nicht nur die Quote bewegt, sondern die Linie selbst.

Einfach gedacht: ich hatte eine Linie, die fünf Punkte besser war als das, worauf der Markt am Ende gekommen ist. Fünf Punkte Vorsprung auf die Schlusseinschätzung.

Geholfen hat es mir gestern trotzdem nicht. Braunschweig hat alles getroffen, und ich stand am Ende mit einer verlorenen Wette da. Ärgert mich auch, klar. Ändert aber nichts daran, dass die Wette richtig war.

Das Rechnen selbst ist übrigens nicht das Problem. Das kriegt jeder hin, der einen Taschenrechner bedienen kann.

Das Problem ist, dass du es jedes Mal machen musst. Für jede Wette die Schlussquote raussuchen, beide Seiten aufschreiben, Marge rausrechnen, irgendwo festhalten. Bei zehn Wetten geht das. Bei zweihundert im Monat machst du das drei Wochen lang und dann nie wieder. Ich hab das jahrelang versucht und bin jedes Mal irgendwann ausgestiegen.

Irgendwann hab ich angefangen, mir was dafür zu bauen. Es heißt Sharpd, und es macht genau das automatisch: Schlussquote ziehen, Marge rausrechnen, fairen Wert bestimmen, CLV berechnen und über alle deine Wetten mitführen. Du trägst deine Wette ein, den Rest erledigt das Tool.

Die Beta läuft seit Kurzem mit einer kleinen Gruppe, und ich mache den Kreis nach und nach größer. Wer dabei sein will, kann sich hier auf die Warteliste setzen.​ Nächste Woche schreibe ich darüber, warum eine gute Quote allein noch keine gute Wette ist. Beim Einsatz muss nämlich auch noch was stimmen.

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